Welches Schulungsformat funktioniert wirklich für SAP-Teams?

SAP-Stammtisch Magdeburg · 26.01.2026 (Hybrid)
Jörg Brandeis · Brandeis Consulting

Thema Team-Wirkung

Fokus ist bei mir auf einem Team und das Thema Softwareentwicklung.

Drei Leitfragen:

  1. Wer sitzt im Team? (Startpunkte, Motivation, Tempo)
  2. Was ist das Nadelöhr? (Zeit + Übungsbetreuung)
  3. Welche Formate liefern Team-Effekt? (gemeinsamer Wissensstand)

Ziel: Das ganze Team soll lernen - auch die Ü46 Kollegen

SAP-Teams: viele Startpunkte – ein gemeinsames Ziel

Manchmal sitzen in einem Training Teilnehmer, die

  • noch FORM-Routinen lieben
  • Auszubildende mit wenig IT Kenntnissen
  • sich schon sehr intensiv mit CDS und RAP auseinander gesetzt haben
  • einen SE80 Fanclub gegründet haben
  • alle Marketing Folien der SAP kennen
  • sich auf Ihre Rente in wenigen Jahren freuen
  • keine Ahnung von Objektorientierung haben
  • gerade ein Studium der Informatik abgeschlossen haben
  • Stolz darauf sind, dass sie R2 noch beherrschen

Und alle sollen am Ende im Projekt gemeinsam liefern.

Motivation: extrinsisch - kommt in Unternehmen gelegentlich vor

Extrinsische Motivation ist der Antrieb, eine Handlung aufgrund äußerer Anreize auszuführen, wie Belohnungen (Geld, Lob, Anerkennung) oder Strafvermeidung (Kündigung), anstatt aus eigenem Interesse oder Freude an der Tätigkeit selbst, was intrinsische Motivation wäre. Sie ist also zweckgerichtet, um ein externes Ergebnis zu erzielen und hält oft nur so lange an, wie der Anreiz besteht. Quelle: Gemini

Auslöser sind oft sehr pragmatisch:

  • Projektstart / Migration / neue Plattform (S/4HANA, ABAP Cloud, RAP)
  • „Wir müssen handlungsfähig werden“
  • "Ich bin nur hier zum Auffüllen" - Echtes Zitat einer Teilnehmerin
  • Zertifizierung / Zielvereinbarung
  • Risiko vermeiden (Abhängigkeiten, Qualitätsprobleme)

Wenn dann noch Zeitdruck dazu kommt, wird Lernen schnell zur „Nebenaufgabe“.

Motivation: intrinsisch (hier im Raum der Standard)

Intrinsische Motivation ist der innere Antrieb, eine Tätigkeit aus eigenem Interesse, Freude oder dem Gefühl der Erfüllung heraus auszuführen, ohne auf äußere Belohnungen (wie Geld, Lob) angewiesen zu sein. Quelle: Gemini

Wer an einem Abend seine Freizeit investiert, bringt meist schon viel mit:

  • Neugier und Freude am Handwerk
  • Qualitätsanspruch
  • Wunsch nach Überblick („Wie hängt das alles zusammen?“)
  • Lust auf Austausch

Das ist die beste Ausgangslage – trotzdem bleibt ein Thema konstant: Zeit.

Zeit: der Engpass, den jedes Format „mitdenken“ muss

Es gibt jeden Tag etwas wichtigeres zu tun, als Dein E-Learning Kurs. Zitat von einem Teilnehmer

Kein Mitarbeiter in der IT hat Zeit übrig. Sie kommen nur aus Priorisierung:
Etwas anderes wird (temporär) weniger wichtig.

Formate unterscheiden sich vor allem darin, wie gut sie Fokuszeit erzeugen.

Ohne Übungen bleibt es oft bei „Aha“

Ein paar Minuten Theorie → klingt logisch.
Erst beim Üben kommt dann:

  • „Bei mir kommen Syntaxfehler“
  • „Warum liefert das View Entity etwas anderes?“
  • „Welche Variante ist hier Clean?“
  • „Wie passt das in unser Projekt?“

Übungen sind die Stelle, an der Lernen „passiert“.
Und genau dort braucht es Betreuung.

Remote ist gut – aber nicht beliebig skalierbar

Wenn 10 Leute gleichzeitig üben, entstehen parallel 10 „kleine Baustellen“.

Betreuung bedeutet:

  • hinschauen
  • verstehen
  • einordnen
  • korrigieren
  • Alternative zeigen

Je größer die Gruppe, desto weniger Betreuungszeit pro Person.
Und das trifft Remote stärker, weil man weniger „nebenbei“ mitbekommt.

SAP-Schulung heißt oft: Begriffe einordnen, nicht Details auswendig lernen

SAP produziert kontinuierlich neue Begriffe. Das Marketing verwirrt mit Versprechen. Begriffe werden mehrfach verwendet (Open SQL, CDS) oder verwirrend (S/4HANA Cloud)

Training soll vor allem:

  • stabile Orientierung geben
  • Zusammenhänge erklären
  • ein gemeinsames Bild im Team erzeugen

Details kann man später nachschlagen – wenn das Grundgerüst steht.

Bild-Metapher: Betonskelett statt Fertighaus

Wenn das Skelett steht, können Teams viele „Wände“ selbst bauen:

  • manche Wände sind beim ersten Mal nicht perfekt → austauschbar
  • wichtig ist, dass das Tragwerk trägt (Kontext, Architektur, Leitplanken)

Team-Effekt: gemeinsamer Wissensstand

Wenn alle dieselben Begriffe sauber verwenden, passiert im Projekt weniger davon:

  • „Moment – was meinst du mit …?“
  • „Das haben wir aber immer so gemacht.“
  • „Das steht doch im Guide, oder?“

Stattdessen:

  • schnellere Abstimmung
  • weniger Grundsatzdiskussionen
  • gemeinsame Standards (Do/Don’t)

Und ganz nebenbei: ein Training kann auch ein ziemlich gutes Teamevent sein.

Teilnehmertypen – plus zwei Dimensionen, die vieles erklären

Vier typische Rollen im Training:

A Einsteiger
B Projekt-getrieben
C Fortgeschritten
D Overbooked

Und dazu zwei Achsen:

  • Domänen-/Modulerfahrung (viel ↔ wenig)
  • Auffassungsgabe/Tempo (schnell ↔ braucht Wiederholung)

Formatwahl heißt: diese Mischung „aushalten“, ohne dass jemand abgehängt wird.

Gruppengröße: eher wie ein Workshop als wie eine Vorlesung

Unsere Praxisregel für Teams:

  • ~10 Teilnehmende ist oft ideal

Anpassung:

  • homogen + vor Ort → etwas mehr möglich
  • heterogen + remote → eher weniger sinnvoll

Nicht wegen „Bequemlichkeit“, sondern wegen Übungsbetreuung.

Classroom (vor Ort)

Stärken

  • Fokuszeit entsteht automatisch
  • Interaktion ist maximal (Whiteboard, Pairing, spontane Fragen)
  • gemeinsamer Standard und Teamgefühl
  • Viele Diskussionen, auch innerhalb des Teams

Schwächen

  • Großer Aufwand für Reisen
  • Man braucht geeignete Räume
  • Reisen ist ein begrenzender Faktor für Trainer

Live Remote

Stärken

  • keine Reisezeit, effizient planbar
  • gute Interaktion möglich (bei guter Moderation)
  • ideal für verteilte Teams
  • nebenbei ist eine Aufnahme möglich

Schwächen

  • Häufig sind nicht alle Teilnehmer voll dabei- Ablenkung aus dem Alltag
  • Übungen brauchen Betreuung → Gruppe eher klein halten
  • Weniger Interaktion, einzelne Teilnehmer häufiger dominant
  • Schwächere Teilnehmer fallen hinten runter

Hybrid (vor Ort + remote)

Stärken (Team)

  • maximale Flexibilität
  • kann Teilnahme überhaupt erst ermöglichen

Schwächen

  • zwei Erlebniswelten („im Raum“ vs. „am Rand“)
  • Übungen und Interaktion sind schwieriger gleichwertig zu betreuen
  • Wenn sich die Remote Teilnehmer nicht einbringen, fallen sie hinten runter

E-Learning mit Videos/Text/Slides/Quiz (Self-paced)

Stärken (Team)

  • Kann jeder machen, wenn er Zeit hat 😉
  • skalierbar
  • günstig
  • nach Bedarf

Schwächen

  • Rückfragen/Feedback fehlen
  • Zeit zum Dranbleiben ist das Hauptproblem
  • Funktioniert nur für stark intrinsisch motivierte Teilnehmer

Fazit
Für manche Menschen funktioniert das sehr gut. Aber für ein Team nicht zu gebrauchen. Kann man aber kombinieren mit anderen Formaten, wie z.B. wöchentlichen Sprchstunden, um die Nachteile abzufedern und mehr Verbindlichkeit einzufordern.

Interaktives Lernen (spielerisch / „SQL-Island“-Style)

https://sql-island.informatik.uni-kl.de/
Stärken (Team)

  • motivierend, schnell greifbar
  • super für einzelne, abgeschlossene Themen

Schwächen

  • Der Kontext fehlt
  • je nach Thema begrenzte Tiefe
  • irgendwann braucht es Betreuung & Kontext

Passt besonders gut

  • Warm-up / Onboarding
  • Einstieg in neue Denkweisen

Podcasts

Stärken (Team)

  • aktuelle Impulse, Trends, Perspektiven
  • ideal „nebenbei“
  • regelmässiges Update
  • Gemeinsames Gesprächsthema im Team

Schwächen

  • Nicht jeder hat nebenbei Zeit - bei mir: Reisezeit & Hundespaziergang
  • Taugt nur für Einzelne im Team

Fazit

Super für intrinsisch motivierte Menschen, aber kein Ersatz für ein Training

Empfehlung für typische SAP-Teams

Wenn es um Team-Wirkung geht:

  1. Vor Ort – wenn Tiefe, Standardisierung und Team-Effekt wichtig sind
  2. Live Remote – wenn effizient, verteilt und trotzdem interaktiv

Und zusätzlich

  • Pair Programming & gemeinsamer Code Review
  • Interne Sprechstunden
  • E-Learning / Doku / KI
  • Podcast als Impulsgeber
  • Konferenzen wie ABAPConf, UI5Con & HANA Tech Con

Wie wir Trainings „über die Woche hinaus“ absichern

Wir unterstützen Schulungen mit einem Lernportal:

  • Folien + Notizen
  • Codeschnipsel & Bilder vom Whiteboard/Flipchart
  • Übungen + Musterlösungen
  • Geschnittene Aufzeichnungen der Live-Schulung
  • Umfragen: Wissensstand, Erwartungen, Erfolg
  • Forum: Fragen auch nach der Schulung
  • optional: Coaching & Beratung nach dem Training
  • DIN A1-Cheat-Sheet Plakate

Zu den anderen Vorträgen

  • Weiterbildung muss in den Altag passen und jederzeit abrufbar sein
  • Lehren ist der schnellste Weg zum lernen
  • Curiosity
  • DSAG: Man möchte viel E-Learning. Das ist aus Sicht der Anbieter und Unternehmen wünschensewert. Aber es ignoriert die Mitarbeitenden. Gerade die Kollegen, die nicht stark selbstmotiviert sind.
  • Kostendruck - Externe Kosten für ein Live-Training sind lächerlich klein zu den Oportunitätskosten für schlecht ausgebildete Mitarbeiter

Vielen Dank

Jörg Brandeis
Brandeis Consulting